Wie beschäftige ich mein Kind während ich zuhause arbeite

Schreckensszenarien jeder Heimarbeits-Mutter

Szenario 1:

Ein lauter Knall übertönt die Tippgeräusche Deiner Tastatur, mit der Du gerade Texte für Deine neue Internetseite tippst. Es folgt ein lautes Gebrüll: „Mama, Aua, is putt, muss die Mama wieder teben“ gemäß Duden Kleinkind – Hochdeutsch übersetzt heißt das: „Mama, mir ist Deine neue Vase umgekippt, als ich auf den Tisch geklettert bin. Du musst sie wieder kleben und ich habe mich geschnitten“. Du blickst auf den scherbenübersähten Fußboden und auf Deinen Zweijährigen mit blutigem Finger…

Szenario 2:

Du bist total vertieft in eine Skypesitzung mit Deinen Teampartnern, die Du gerade frisch einarbeitet möchtest, als Du plötzlich einen intensiven Duft wahrnimmst, der aus dem Bad strömt. Du entschuldigst Dich bei Deinen Teampartnern damit, dass Du mal eben zur Toilette musst. Dort angekommen siehst Du deine dreijährige Tochter mit einem Fläschchen von Deinem Lieblingsparfum in der Hand. „Mama riech mal“ strahlt sie Dich begeistert an, während Du deutlich weniger begeistert auf die fast leere Flasche in Ihrer Hand blickst…

Damit Dir so etwas möglichst nicht passiert, während Du von zuhause aus arbeitest, haben wir ein paar Tipps für Dich zusammengestellt, wie Du Deine Kinder mehr oder auch manchmal weniger sinnvoll beschäftigen kannst, während du daheim am Schreibtisch sitzt. Die Vorschläge beziehen sich vorwiegend auf Kleinkinder, da es mit Kleinkindern erfahrungsgemäß am Schwierigsten ist, konzentriert zu arbeiten.

Disclaimer: Nicht jeder Vorschlag ist für jedes Kind geeignet. Wir haften nicht für Schäden für Leib, Leben und Gesundheit. Für Risiken und Nebenwirkungen frage Dein eigenes Gewissen UND Deinen Mann, wenn du einen zur Verfügung hast.

Ich bitte um Verzeihung, wenn wir jetzt die Ernsthaftigkeit verlieren, aber lass Dir aus unserer Erfahrung gesagt sein: Es ist sehr wichtig, dieses Thema mit Humor und Gelassenheit anzugehen, wenn Du Dich unter keinen Umständen von Deinen Zielen abbringen lassen möchtest!

So, los geht es mit den Vorschlägen einer dreifachen Jungs-Mutter:

INDOOR BEI SCHLECHTEM WETTER (größtenteils auch Outdoor möglich)
  • Die Lieblingsbeschäftigung meines zweieinhalbjährigen, inzwischen ist er drei, ist
    „Schnippeln“. Mit seiner Kinderschere darf er alles, was bei mir im Papierkorb liegt beliebig kleinschnippeln. Belohnt werde ich am Ende mit einem strahlenden Kind und kostenlosem Konfetti. Damit ist mein Sohn in der Regel eine halbe Stunde beschäftigt.
    Risiken und Nebenwirkungen: Manchmal beschränkt sich das Schnippeln nicht nur auf den Inhalt meines Papierkorbes. Einmal hieß es stolz „Mama, ich schneide meine Haare“ und da war die Frisur für die nächsten vier Wochen ruiniert
  • Dinge auseinandernehmen
    Meine Jungs lieben es, Sachen auf den Grund zu gehen. Sie sind glücklich, wenn ich Ihnen etwas gebe, das sie in Endlosschleife auseinander- und wieder zusammenfügen dürfen, z.B. meinen Sahnespender (ohne Inhalt versteht sich).
    Risiken und Nebenwirkungen: Du fragst Dich manchmal, wo die ein oder andere Schraube bloß hingehört, die Du auf dem Fußboden findest
  • Ein eigener Order
    Als meine Jungs gesehen haben, wie ich Unterlagen abhefte, wollten sie einen eigenen Ordner. Den haben Sie bekommen, ich habe die Ordner mit Aufklebern versehen, so dass sie ihren jeweils eigenen Ordner selbst erkennen können. In diesen Ordner dürften sie alles abheften, was sie im Papierkorb finden. Um die Sache interessanter zu machen, gebe ich ihnen auch einen Locher , Büroklammern und alte Klarsichthüllen
  • CDs mit Vorlesegeschichten abspielen
  • Die recycelte Sprühflasche
    Meine Jungs untersuchen derzeit intensiv das Element „Wasser“. Zu den Highlights für Sie gehört es, wenn Sie bei gutem Wetter auf unserem Balkon und bei schlechtem Wetter im Badezimmer in die Badewanne sprühen dürfen. Dazu gebe ich Ihnen eine mit Wasser gefüllte Sprühflasche, die ich sonst zum Wäsche einsprühen verwende.
    Risiko und Nebenwirkungen: Nasse Kinder und ein unter Wasser gesetztes Bad
  • Putzen
    Ja, das ist wirklich ernst gemeint, meine Jungs sind am zufriedensten, wenn Sie einen Putzlappen in die Hand bekommen, nebelfeucht natürlich, und damit die Wohnung zum Blitzen und Blinken bringen dürfen                                                                                                 Risiko und Nebenwirkungen: Es sieht nachher u.U. schlimmer aus als vorher
  • Puzzle (altersgemäß)
    Risiko und Nebenwirkungen: wütendes Kind, wenn die Puzzleteile selbst unter
    Gewaltanwendung nicht zusammenpassen wollen
  • Buden zwischen den Wohnzimmermöbeln bauen lassen
  • Geduldspiele
  • Knetsand
    Kennt ihr sicherlich aus dem Kindergarten: Sand, den man Indoor verwenden kann, weil er zusammenklebt. Bei uns ist er in einem Raum erlaubt. Man kann ihn nachher sehr leicht zusammenfegen und hat nicht wie bei normalem Sand das Problem, dass sich feinste Körner in der ganzen Wohnung verteilen.
    Risiko und Nebenwirkungen: Klebesand unter den Anti-Rutschsocken der Kinder.
  • Müllauto: 2015 angeschafft, nach wie vor der Favorit aller 2-5- Jährigen, die uns besuchen. Wir haben kein Spielzeug im Haus, das so lange und intensiv genutzt wird, nahezu jeden Tag ist es im Einsatz. Als „Müll“ dienen Büroklammern oder Papierschnipsel.
    Risiko und Nebenwirkungen: Gewöhnt euch an die ständige Frage: „Mama, wo ist die Mülltonne?“
  • Spielzeugstraßenteppich: Damit können sie sich – genug Autos vorausgesetzt – auch super beschäftigen
  • Murmeln spielen: Wir haben eine Blechbox gefüllt mit bunten Murmeln, mit denen die Kinder gerne spielen                                                                                                                                    Risiko und Nebenwirkungen: Achtung Stolperfalle
  • Alte Kartons (je größer umso besser)
    Aus alten Kartons kann man prima Buden bauen. In Kombination mit einem LED-Lämpchen und einem gemütlichen Sitzkissen, kommt das erste Eigenheim-Feeling für die Kleinen auf, auch Schuhkartons sind super: Sie können als Minipuppenhaus eingerichtet werden oder – das ist eine Spielidee aus meiner Kindheit – ihr stecht mit einer dicken Nadel kleine Löcher in den Deckel und die Kinder können Blätter hineinstecken. Auf diese Weise entsteht ein Waldmotiv
  • Stoff schneiden
    Wenn ihr alte Bettlaken habt, können die Kinder sie in kleine Stücke schneiden oder
    Gespenst damit spielen. Ich verwende die kleinen Stofflappen zum Popo abwischen der Kleinen oder beim Putzen.
    Risiken und Nebenwirkungen: unzählige Fusseln und kleine Stoffschippsel
  • Lego oder Duplo bauen
OUTDOOR
  • Perfekt ist es, wenn ihr euer Grundstück eingezäunt habt oder eure Kinder von sich aus in Sichtweite bleiben, während ihr auf einer Bank oder einem Gartenstuhl sitzt. Wir haben diese Möglichkeit leider nicht, weshalb ich mir gelegentlich mit einem Laufställchen für draußen behelfe, das ihr beliebig vergrößern könnt. Ich habe es in doppelter Ausführung.
  • Im Sommer ein Planschbecken aufstellen (da verwende ich meistens das oben genannte Laufställchen) dann sind die Kinder beschäftigt und planschen fröhlich im Wasser, ich arbeite mit Tablet im Haus, sehe sie aus dem Fenster oder von der Gartenbank aus und alle sind zufrieden.
    Risiken und Nebenwirkungen: Planschbecken macht hungrig. Zwischendurch muss ich meine Arbeit unterbrechen, um kleine Snacks und Getränke nach draußen zu tragen.
  • Im Sandkasten vor dem Haus spielen.
  • Besucht einen Spielplatz, die beste Möglichkeit, mit Kindern zu arbeiten, sei es, dass ihr euch mit Tablet auf eine Bank setzt (ich mache draußen das meiste per Handy) oder Kontakte zu anderen Müttern knüpft, die vielleicht auch Interesse an einem Nebenverdienst haben.
    Risiken und Nebenwirkungen: Die Kinder wollen nicht mehr nach Hause.
  • Spazieren, Radfahren mit Anhänger – an der frischen Luft kommen mir immer die besten Gedanken für meine Arbeit und die Kinder sind ausgeglichen.
  • Steine ins Wasser werfen lassen.
  • Laufrad fahren
  • Mit Kreide malen

Am besten ist es, wenn ihr gleich mehrere Beschäftigungsmöglichkeiten zur Auswahl stellen könnt. Und noch ein „Geheimtipp“. Macht eine Wunderkiste fertig, also einen Karton, in der allerlei interessantes Spielzeug und Krimskrams reinkommt, mit dem sich eure Kinder nur während ihr arbeitet, beschäftigen dürfen. Tauscht den Inhalt regelmäßig aus, damit er interessant bleibt.

Und noch etwas Grundsätzliches: Es ist für eure Kinder erst einmal eine Umstellung, wenn sie erleben, dass Mama auf einmal jeden Tag am Schreibtisch sitzt und sagt, dass sie arbeiten muss. Daran müssen sie sich natürlich gewöhnen. Seid geduldig, wenn es nicht von heute auf morgen gut läuft sondern rechnet lieber mit einer längeren Umstellungsphase.

Ihr seid noch skeptisch, ob ihr es hinbekommen werdet? Das war ich auch. Und zugegeben, es läuft an manchen Tagen besser, an anderen schlechter aber entscheidend ist die eigene Einstellung: Wenn ihr wisst, was ihr mit eurer Arbeit erreichen möchtet, dann wird euch nichts und niemand davon abhalten können! Ich habe auch schon mit einem schreienden Baby im Arm und zwei tobenden Kleinkindern im Hintergrund Texte geschrieben… Das war an Tagen, an denen ich mir gesagt habe:

Das muss jetzt einfach fertig werden und dann gibt es bei mir kein „Das geht jetzt nicht“. Das ist einfach dann eine Frage der Prioritätensetzung. Andererseits erlaube ich mir aber auch bewusst Ausnahmen. Das ist ja gerade das Schöne am Networken, das man seine Arbeitszeit selbst bestimmt und sich eine Auszeit für die Kinder nehmen kann, wenn es notwendig ist oder man es gerne möchte.

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